ARTICLE · 04.10.2026

iTop im Vergleich: Funktionen und Kosten gegenüber anderen ITSM-Lösungen

Wie schlägt sich iTop gegenüber GLPI, Jira Service Management, Freshservice und ManageEngine? Ein Vergleich von **Funktionen, CMDB, Anpassbarkeit und Kosten** zeigt, wo die Stärken der Open-Source-Plattform liegen – und wo andere Lösungen Vorteile bieten.

Wer nach einer ITSM- oder CMDB-Lösung sucht, stößt schnell auf sehr unterschiedliche Produkte und Kostenmodelle. Neben Open-Source-Lösungen wie iTop und GLPI gibt es etablierte kommerzielle Plattformen wie Jira Service Management, Freshservice oder ManageEngine ServiceDesk Plus.

Ein reiner Vergleich der Lizenzpreise greift allerdings zu kurz. Entscheidend ist auch, welche Funktionen enthalten sind, wie flexibel sich die Plattform anpassen lässt und welcher Aufwand für Betrieb und Weiterentwicklung entsteht.

In diesem Vergleich betrachte ich deshalb beide Seiten:

  • Funktionsumfang
  • CMDB und Asset Management
  • ITSM-Prozesse
  • Anpassbarkeit
  • Automatisierung und Integration
  • Betriebsmodell
  • Lizenz- und Betriebskosten

Als Ausgangspunkt dient die selbst betriebene iTop Community Edition.


Die Lösungen im Überblick

iTop

iTop verbindet IT-Service-Management mit einer zentralen Configuration Management Database.

Combodo nennt unter anderem:

  • Request- und Incident Management
  • Problem Management
  • Change Management
  • Service Management und Servicekatalog
  • CMDB
  • Abhängigkeits- und Impact-Betrachtung
  • Dashboards
  • Integration
  • Automatisierung
  • Anpassung des Datenmodells

Besonders interessant ist für mich die enge Verbindung zwischen ITSM-Prozessen und CMDB.

Ein Incident, Change oder Problem steht damit nicht isoliert im Ticketsystem, sondern kann mit den betroffenen Configuration Items und Services verknüpft werden.


GLPI

GLPI verfolgt einen etwas anderen Schwerpunkt und kombiniert Helpdesk und ITSM mit einem sehr umfangreichen Asset- und Inventory-Management.

Zu den unterstützten Objekten gehören beispielsweise Computer, Monitore, Software, Netzwerkgeräte, Drucker, Racks, PDUs, SIM-Karten und weitere Assets.

Zusätzlich bietet GLPI unter anderem:

  • Incident und Request Management
  • Problem Management
  • Change Management
  • SLA
  • Knowledge Base
  • Verträge
  • Lieferanten
  • Softwarelizenzen
  • Budgets
  • Projekte
  • automatische Inventarisierung
  • Netzwerk-Discovery
  • eigene Asset-Typen

Damit ist GLPI besonders interessant, wenn die automatische Erfassung und Verwaltung klassischer IT-Assets einen hohen Stellenwert besitzt.


Jira Service Management

Jira Service Management hat sich deutlich über ein klassisches Ticketsystem hinausentwickelt.

In den kostenpflichtigen Tarifen steht mit Assets ein eigenes Asset- und Configuration-Management zur Verfügung.

Objekte können in eigenen Schemata organisiert und miteinander verknüpft werden. Auch Services werden inzwischen auf Basis dieser Asset-Schemata modelliert.

Die Plattform bietet unter anderem:

  • Request Management
  • Incident Management
  • Problem Management
  • Change Management
  • Service Management
  • Asset- und Configuration-Management
  • Automatisierungen
  • Knowledge Base
  • On-Call und Alerting
  • KI-Funktionen
  • Integration in die Atlassian-Plattform

Gerade für Organisationen, die bereits Jira und andere Atlassian-Produkte einsetzen, kann diese Integration interessant sein.


Freshservice

Freshservice verfolgt einen starken SaaS-Ansatz.

Der Funktionsumfang hängt allerdings deutlich vom gewählten Tarif ab.

Der Starter-Tarif enthält beispielsweise Wissensmanagement, Aufgabenmanagement und Support-Portal.

Growth ergänzt unter anderem:

  • Servicekatalog
  • SLA Management
  • On-Call Management
  • Cloud Management

Problem-, Change-, Incident- und Release-Management werden laut aktueller Preisliste im Pro-Tarif angeboten.

Freshservice positioniert sich damit stärker als vorkonfigurierte Cloud-Plattform, bei der Infrastruktur und Plattformbetrieb vom Anbieter übernommen werden.


ManageEngine ServiceDesk Plus

ServiceDesk Plus verbindet klassischen Helpdesk mit Asset Management und umfangreicheren ITSM-Funktionen.

Je nach Edition beziehungsweise gebuchten Erweiterungen stehen unter anderem zur Verfügung:

  • Incident Management
  • Asset Management
  • Servicekatalog
  • Problem Management
  • Change Management
  • Release Management
  • Projektmanagement
  • CMDB

ManageEngine bietet dabei sowohl Cloud- als auch Self-Hosted-Szenarien.


Funktionsvergleich

Funktion iTop GLPI Jira Service Management Freshservice ServiceDesk Plus
Incident Management ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Request Management ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Problem Management ✓ ✓ ✓ Pro ✓
Change Management ✓ ✓ ✓ Pro ✓
Servicekatalog ✓ ✓ ✓ Growth+ ✓
SLA Management ✓ ✓ ✓ Growth+ ✓
Self-Service-Portal ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Knowledge Management ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
CMDB ✓ ✓ Assets ✓ ✓
CI-Beziehungen ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Impact-/Abhängigkeitsanalyse ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Asset Management ✓ ✓ Assets ✓ ✓
automatische Inventarisierung Erweiterung/Integration ✓ Premium Discovery ✓ ✓
Netzwerk-Discovery Erweiterung/Integration ✓ Premium ✓ ✓
Software-/Lizenzmanagement ✓ ✓ Assets ✓ ✓
REST/API-Integration ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
Automatisierung ✓ ✓ ✓ ✓ ✓
eigenes Datenmodell ✓ teilweise Assets-Schemata eingeschränkter eingeschränkter
eigene Objektklassen ✓ Custom Assets Assets Object Types eingeschränkter eingeschränkter
Self-hosted ✓ ✓ Cloud-Fokus – ✓
Open Source ✓ ✓ – – –

Die Tabelle ist bewusst keine Bewertung oder Rangliste. Die Produkte verfolgen teilweise unterschiedliche Schwerpunkte.


Ein wesentlicher Unterschied: CMDB oder Asset Management?

Hier zeigt sich eine der interessantesten Abgrenzungen.

Asset Management beantwortet hauptsächlich Fragen wie:

Was besitzen oder betreiben wir?

Beispielsweise:

  • Welche Notebooks sind vorhanden?
  • Welche Software ist installiert?
  • Wann läuft eine Lizenz aus?
  • Welcher Benutzer besitzt welches Gerät?

Eine CMDB geht stärker in Richtung:

Wie hängt unsere IT miteinander zusammen?

Beispielsweise:

Server
↓
virtuelle Maschine
↓
Anwendung
↓
Service
↓
Geschäftsprozess

Diese Beziehungen ermöglichen anschließend Fragen wie:

Welche Services sind betroffen, wenn dieser Server ausfällt?

Genau diese Art der Modellierung gehört zu den zentralen Konzepten von iTop.

GLPI wiederum besitzt besonders umfangreiche Funktionen zur Inventarisierung physischer und technischer Assets.

Jira Assets verfolgt inzwischen ebenfalls einen flexiblen objektbasierten Ansatz und ermöglicht eigene Objekttypen, Schemata und Beziehungen.

Die Grenzen zwischen klassischem Asset Management und CMDB werden deshalb zunehmend fließend.


Anpassbarkeit des Datenmodells

Ein für mich besonders wichtiger Punkt bei iTop ist die Möglichkeit, das Datenmodell an die eigene Organisation anzupassen.

Eine CMDB muss sich dadurch nicht auf klassische Configuration Items beschränken.

Zusätzlich können beispielsweise eigene Strukturen für:

  • Governance
  • Compliance
  • Risiken
  • Prüfungen
  • technische Anlagen
  • Softwarevalidierung
  • VPN-Infrastruktur

modelliert werden.

Damit lässt sich aus einer klassischen CMDB schrittweise eine zentrale Informationsplattform entwickeln.

Diese Flexibilität hat allerdings eine Kehrseite:

Was selbst modelliert werden kann, muss auch selbst konzipiert, entwickelt, getestet und gepflegt werden.

Eine hochgradig angepasste Open-Source-Plattform ist deshalb nicht automatisch günstiger als eine fertige SaaS-Lösung.


Kostenvergleich

Auch beim Preis verfolgen die Produkte unterschiedliche Modelle.

iTop Community

Bei einer selbst betriebenen Community-Installation entstehen zunächst keine klassischen Lizenzkosten pro Agent.

Dafür müssen andere Kosten berücksichtigt werden:

  • Server oder VM
  • Datenbank
  • Backup
  • Monitoring
  • Updates
  • Administration
  • Entwicklung eigener Erweiterungen
  • Tests
  • Dokumentation
  • gegebenenfalls externer Support

Die korrekte Betrachtung lautet deshalb nicht:

iTop kostet 0 €.

Sondern:

Die Softwarelizenz kann 0 € kosten – der Betrieb nicht.


GLPI

GLPI lässt sich ebenfalls selbst betreiben.

Daneben bietet GLPI Network kommerzielle Cloud- und Supportangebote.

Die GLPI Network Public Cloud kostet nach der veröffentlichten Preisliste 2026 derzeit 19 € netto pro Benutzer und Monat für Benutzer der Standardoberfläche.

Assets und Endanwender sind dabei unbegrenzt.


Jira Service Management

Jira Service Management Standard kostet aktuell 20 US-Dollar pro Agent und Monat.

Premium kostet 51,42 US-Dollar pro Agent und Monat.

Standard enthält derzeit 5.000 Assets-Objekte, Premium 50.000.

Zusätzliche Objekte können kostenpflichtig werden.


Freshservice

Bei jährlicher Abrechnung nennt Freshworks derzeit:

Starter: 15 € / Agent / Monat
Growth: 40 € / Agent / Monat
Pro: 84 € / Agent / Monat

Gerade beim Vergleich muss deshalb berücksichtigt werden, welcher Tarif für einen vergleichbaren Funktionsumfang benötigt wird.

Problem-, Change- und Release-Management liegen beispielsweise im Pro-Tarif.


Beispiel mit zehn IT-Agenten

Eine einfache Hochrechnung zeigt die unterschiedlichen Kostenmodelle.

Lösung angenommener Tarif ca. Kosten/Jahr
iTop Community Self-hosted 0 € Softwarelizenz
GLPI Cloud Public Cloud 2.280 €
Jira Service Management Standard 2.400 US-Dollar
Freshservice Growth 4.800 €
Freshservice Pro 10.080 €

Bei iTop fehlen in dieser Tabelle bewusst die Betriebskosten.

Denn für einen fairen Vergleich müssen diese separat kalkuliert werden.


Total Cost of Ownership statt Lizenzpreis

Nehmen wir für eine Beispielrechnung an:

Server, Backup und Infrastruktur:

600 € pro Jahr

Zusätzlich entstehen:

40 Stunden Administration pro Jahr

Bei einem kalkulatorischen internen Stundensatz von 60 €:

40 × 60 € = 2.400 €

Damit ergeben sich:

600 € + 2.400 € = 3.000 € jährliche Betriebskosten

Die vermeintlich kostenlose iTop-Installation hätte in diesem Beispiel also einen TCO von ungefähr 3.000 € pro Jahr.

Bei einer stark angepassten Installation kann der Aufwand deutlich höher sein.

Umgekehrt steigen die Lizenzkosten agentenbasierter SaaS-Systeme mit zunehmender Zahl lizenzierter Mitarbeiter.

Deshalb kann sich das Verhältnis mit wachsender Benutzerzahl erheblich verändern.


Wo liegen die unterschiedlichen Schwerpunkte?

iTop verbindet eine stark beziehungsorientierte CMDB mit ITSM und einem sehr flexibel erweiterbaren Datenmodell.

GLPI verbindet ITSM mit besonders umfangreichem Inventory und Asset Management und bietet ebenfalls eine Open-Source-Basis.

Jira Service Management kombiniert ITSM, Assets, Automatisierung und eine enge Integration in das Atlassian-Ökosystem.

Freshservice bietet eine weitgehend fertig betriebene SaaS-Plattform mit umfangreichen Automatisierungs- und ITSM-Funktionen, deren Umfang vom Tarif abhängt.

ManageEngine ServiceDesk Plus verbindet Helpdesk, Asset Management und ITSM und bietet sowohl Cloud- als auch Self-Hosted-Varianten.


Fazit

Der Vergleich zeigt vor allem eines:

Der Lizenzpreis allein sagt wenig über die tatsächlichen Kosten oder den Nutzen einer ITSM-Plattform aus.

iTop Community bietet den Vorteil einer offenen, selbst betriebenen und sehr flexibel erweiterbaren Plattform ohne klassische Lizenzierung pro Agent.

Dafür übernimmt die eigene Organisation einen größeren Teil der Verantwortung für Betrieb, Updates, Anpassungen und Weiterentwicklung.

Bei SaaS-Lösungen wie Jira Service Management oder Freshservice werden viele dieser Aufgaben vom Anbieter übernommen. Dafür entstehen laufende Lizenzkosten und teilweise tarif- oder nutzungsabhängige Grenzen.

GLPI nimmt eine interessante Zwischenposition ein: Wie iTop ist eine selbst betriebene Open-Source-Nutzung möglich, gleichzeitig liegt ein starker Fokus auf Inventarisierung und Asset Management.

Welche Lösung besser passt, hängt deshalb weniger von einer einzelnen Funktionsliste ab als von der Frage:

Brauche ich eine möglichst fertige ITSM-Plattform – oder möchte ich eine Plattform, deren Datenmodell und Prozesse ich weitgehend selbst gestalten kann?

Für mich liegt genau darin einer der interessantesten Aspekte von iTop.


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