Was ist iTop eigentlich?
iTop verbindet CMDB und IT Service Management auf einer offenen und flexibel erweiterbaren Plattform. Doch was steckt hinter iTop, welche Rolle spielt ITIL und was bedeutet Open Source konkret? Ein Blick auf die Community Edition, die auch die Grundlage für iTop Insights bildet.
Auf iTop Insights geht es um CMDB, Automatisierung, eigene Extensions, Integrationen und die Abbildung realer IT-Strukturen. Dabei steht eine Plattform fast immer im Mittelpunkt: iTop.
Aber was ist iTop eigentlich?
iTop ist eine Open-Source-Plattform für IT Service Management (ITSM) und Configuration Management (CMDB) des französischen Unternehmens Combodo.
Die Plattform verbindet dabei zwei Bereiche, die im IT-Betrieb eng zusammengehören: die Dokumentation der eigenen IT-Landschaft und die darauf aufbauenden Service-Management-Prozesse.
iTop ist damit nicht einfach ein Ticketsystem und auch keine klassische Inventardatenbank.
Die CMDB als Herzstück
Im Zentrum von iTop steht die Configuration Management Database, kurz CMDB.
Darin lassen sich beispielsweise
- Server und virtuelle Maschinen,
- Netzwerkgeräte,
- Anwendungen und Software,
- Standorte,
- Personen und Teams,
- Organisationen,
- Services und
- Verträge
dokumentieren.
Entscheidend sind jedoch nicht nur die einzelnen Objekte, sondern vor allem ihre Beziehungen untereinander.
Ein Server befindet sich beispielsweise an einem Standort, stellt eine Anwendung bereit und wird von einem bestimmten Team betreut. Die Anwendung wiederum kann Bestandteil eines Services sein, der von weiteren Systemen oder Geschäftsprozessen benötigt wird.
So entsteht aus einzelnen Configuration Items ein verknüpftes Modell der IT-Landschaft.
Diese Beziehungen können unter anderem für die Impact-Analyse verwendet werden. Dadurch lässt sich beispielsweise nachvollziehen, welche Systeme und Services von einer Störung oder geplanten Änderung betroffen sein könnten.
IT Service Management nach ITIL-Prinzipien
Neben der CMDB ist IT Service Management ein zentraler Bestandteil von iTop.
Combodo richtet die Plattform an etablierten ITIL-Praktiken aus. ITIL liefert dabei einen Rahmen für die strukturierte Organisation und kontinuierliche Verbesserung von IT-Services.
iTop stellt dafür unter anderem Funktionen für
- Request Management,
- Incident Management,
- Problem Management,
- Change Management,
- Service Management,
- Servicekataloge,
- SLA-Verwaltung und
- Vertragsverwaltung
bereit.
Der interessante Punkt ist die Verbindung dieser Prozesse mit der CMDB.
Ein Incident kann beispielsweise direkt mit dem betroffenen Configuration Item verbunden werden.
Aus der Information
„Ein Server ist ausgefallen.“
wird dadurch die wesentlich interessantere Frage:
„Welche Anwendungen, Services und Benutzer sind von diesem Ausfall betroffen?“
CMDB und ITSM werden damit nicht als voneinander getrennte Bereiche betrachtet, sondern greifen auf eine gemeinsame Informationsbasis zurück.
ITIL ist dabei kein starres Korsett
Der Bezug zu ITIL bedeutet nicht, dass eine Organisation sämtliche ITIL-Praktiken vollständig umsetzen muss, um iTop verwenden zu können.
Die Plattform stellt vielmehr Strukturen und Funktionen bereit, mit denen sich entsprechende Service-Management-Prozesse abbilden lassen.
Welche davon tatsächlich benötigt und wie detailliert sie umgesetzt werden, hängt von der jeweiligen Organisation ab.
Gerade diese Anpassbarkeit ist für mich ein wichtiger Punkt.
Ein Werkzeug sollte die eigenen Prozesse unterstützen – und nicht dazu führen, dass Prozesse ausschließlich wegen des Werkzeugs entstehen.
iTop ist Open Source
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von iTop ist sein Open-Source-Modell.
iTop wird unter der
GNU Affero General Public License Version 3 – AGPLv3
bereitgestellt.
Diese Lizenz erlaubt grundsätzlich die Nutzung, Untersuchung, Veränderung und Weitergabe der Software unter den Bedingungen der AGPLv3.
Die AGPL geht dabei in einem wichtigen Punkt weiter als die klassische GPL: Sie berücksichtigt ausdrücklich auch die Bereitstellung veränderter Software über ein Netzwerk.
Wer iTop verändert oder eigene Software auf Grundlage des Quellcodes entwickelt und diese weitergibt oder entsprechend über ein Netzwerk bereitstellt, sollte sich deshalb mit den konkreten Bedingungen der AGPLv3 beschäftigen.
Für eigene Extensions können ebenfalls Lizenzfragen relevant werden. Die konkrete Bewertung hängt davon ab, wie eine Erweiterung technisch aufgebaut, verwendet und verteilt wird.
Die jeweils verbindlichen Bedingungen ergeben sich aus der mit iTop bzw. einer Erweiterung ausgelieferten Lizenz.
Die Community Edition als Grundlage
Combodo bietet iTop in unterschiedlichen Angebotsformen an.
Für iTop Insights ist dabei besonders die iTop Community Edition interessant.
Combodo beschreibt sie als freie und funktionsfähige Basis für das IT-Management. Bereits die Community Edition bringt wesentliche Bestandteile der Plattform mit und lässt sich durch Extensions erweitern.
Daneben bietet Combodo mit seinen kommerziellen Angeboten zusätzliche Funktionen, Services, Support und weitere Möglichkeiten zur Anpassung.
iTop Insights basiert auf der Community Edition
Die Beispiele, Erweiterungen und Konzepte auf iTop Insights entstehen grundsätzlich auf Basis der iTop Community Edition.
Das ist eine bewusste Entscheidung.
Mich interessiert besonders, was sich bereits mit der offenen Basis von iTop umsetzen lässt und wie sich diese durch eigene Datenmodelle, Extensions, Integrationen und Automatisierungen erweitern lässt.
Damit bleiben die hier gezeigten Lösungen möglichst nah am Open-Source-Kern von iTop.
Wenn für eine Lösung zusätzliche kommerzielle Komponenten oder Erweiterungen erforderlich sind, sollte dies entsprechend kenntlich gemacht werden.
Eine Plattform, die sich erweitern lässt
Für mich ist die Erweiterbarkeit eine der interessantesten Eigenschaften von iTop.
Das mitgelieferte Datenmodell muss nicht das endgültige Datenmodell der eigenen CMDB sein.
Bestehende Klassen können erweitert und eigene Klassen, Attribute sowie Beziehungen ergänzt werden.
Dadurch lassen sich beispielsweise zusätzliche Bereiche wie
- Anlagen und Wartungen,
- Governance,
- Informationswerte,
- VPN-Infrastrukturen,
- Softwarevalidierung,
- Prüfungen oder
- Compliance-Anforderungen
in das Datenmodell integrieren.
Damit lässt sich iTop schrittweise an die tatsächlichen Anforderungen einer Organisation anpassen.
Integration statt Insellösung
Eine CMDB ist besonders wertvoll, wenn ihre Informationen nicht ausschließlich manuell gepflegt werden müssen.
iTop bietet verschiedene Möglichkeiten zur Integration mit anderen Systemen.
Dazu gehören unter anderem Schnittstellen und Mechanismen für Datenaustausch, Synchronisation und Automatisierung.
Inventarisierungssysteme können beispielsweise technische Informationen liefern. Andere Anwendungen können Daten aus der CMDB verwenden oder Prozesse anstoßen.
iTop muss damit nicht jedes Datum selbst erzeugen.
Die Plattform kann vielmehr zum zentralen Informationspunkt werden, an dem relevante Informationen zusammengeführt und miteinander in Beziehung gesetzt werden.
Was macht iTop für mich interessant?
Eine klassische Inventarisierung beantwortet hauptsächlich eine Frage:
Was haben wir?
Eine gut aufgebaute CMDB kann wesentlich mehr Fragen beantworten:
Wo befindet es sich?
Wer ist dafür verantwortlich?
Welche Anwendung läuft darauf?
Welche Systeme hängen davon ab?
Welcher Service nutzt es?
Welche Risiken bestehen?
Wann wurde es zuletzt überprüft?
Was wäre bei einem Ausfall betroffen?
Damit entwickelt sich die CMDB von einer Inventarliste zu einem Modell der eigenen IT-Landschaft.
In Verbindung mit ITIL-orientiertem Service Management entsteht daraus eine gemeinsame Informationsbasis für Betrieb, Support und weitere IT-Prozesse.
iTop als Grundlage – nicht als fertiges Modell
iTop bringt bereits ein umfangreiches Datenmodell und zahlreiche Funktionen mit.
Trotzdem muss eine CMDB zur eigenen Organisation passen.
Nicht jedes Unternehmen benötigt dieselben Configuration Items, Beziehungen oder Prozesse. Deshalb sollte das Ziel aus meiner Sicht nicht darin bestehen, möglichst viele Informationen in iTop zu speichern.
Entscheidend ist vielmehr, die Informationen abzubilden, die für Betrieb, Support, Sicherheit, Governance und Compliance tatsächlich benötigt werden.
Die offene Architektur und die Community Edition bieten dafür eine interessante Grundlage.
Und genau hier setzt iTop Insights an
Auf iTop Insights geht es deshalb weniger darum, jede Standardfunktion von iTop noch einmal zu erklären.
Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage:
Wie lässt sich iTop sinnvoll für reale Anforderungen einsetzen und erweitern?
Dazu gehören eigene Extensions und Datenmodelle ebenso wie Automatisierungen, Integrationen, Governance, Compliance und der praktische Aufbau einer CMDB.
Die iTop Community Edition bildet dabei die technische Grundlage.
Was daraus entsteht, hängt davon ab, wie wir diese Grundlage modellieren, erweitern und mit unserer bestehenden IT-Landschaft verbinden.
Quellen und weiterführende Informationen
Die grundlegenden Informationen zu iTop, ITSM, Community Edition und den verfügbaren Angeboten basieren auf den offiziellen Informationen von Combodo und der offiziellen iTop-Dokumentation.
Combodo – iTop
combodo.com
Combodo – Community
combodo.com/community/
Combodo – Offers & Services
combodo.com/offers-services/
iTop Documentation – Licensing
Offizielle iTop-Dokumentation auf iTop Hub
Hinweis: iTop Insights ist ein unabhängiges Projekt und steht in keiner offiziellen oder geschäftlichen Verbindung zu Combodo.